Prostituierte im Thai

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Aslan
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#1 Prostituierte im Thai

Beitragvon Aslan » Sa 20. Aug 2011, 20:04

Der “Fachausdruck” für eine Prostituierte lautet โสเภณี (ssoophenie). Das kommt aus dem Pali und heißt eigentlich „schönes Mädchen“.
Ein anderer Ausdruck (Slang) ist กะหรี่ (garii). Dieses Wort hat grundsätzlich zwei Bedeutungen, nämlich einemal Curry und dann eben „Prostituierte“. Ob die beiden Worte zusammenhängen, kann ich nicht entscheiden.
Eine etwas andere Bedeutung hat „ดอกทอง“ (doogthoong, beides mit offenem, langen o). Hiermit ist eine Frau gemeint, die wahllos mit Männern schläft, aber nicht oder nicht hauptsächlich für Geld, sondern weil es ihr Spaß macht. Eine Frau als อี่ดอกทอง (I-doogthong) oder verkürzt als อี่ดอก (I-doog) zu bezeichnen, ist eine schwere Beleidigung.
Vielleicht ist es interessant, etwas zur Geschichte der Prostitution in Thailand zu sagen. Zunächst: In Ayutthaya und dem frühen Bangkok gab es keine Bordelle. Natürlich wird es heimliche Prostitition gegeben haben, aber keine „öffentliche“, gewerbliche Prostitution, wo also Frauen ihren Lebensunterhalt durch Prostitution verdient haben. Das änderte sich erst unter Rama IV (Mongkut), doch waren die damaligen gewerblichen Prostituierten ausschließlich Chinesinnen (auch wenn wikipedia etwas anderes sagen mag), und zwar fast alle Cantonesinnen. Die entsprechenden Bordelle befanden sich allesamt in Sampeng (สำเพ็ง).
Später wollten dann auch Thaifrauen mitmischen, mussten um sich gewerblich zu prostituieren einen chinesischen Namen annehmen. Der erste Teil des Namens war fast immer „Gim“, das ist ein chinesisches Dialektwort für „Gold (่金). Einige brachten es zu einer gewissen Berühmtheit und ihre Namen sind noch heute bekannt, z.B. Gim Hiang, Gim Lung ode Gim Gie.
Stark verbreitet war die Prostitution in den Anfangsjahren von Rama V (Chulalongkorn). Weil alle in Sampeng ihrem Gewerbe nachgingen, nannte man sie „Ae Sampeng“. Das bekannteste Bordell lag in der „Tout-Gasse“. So genannt, weil dort eine Mrs. Tout die Besitzerin dieses Bordells war.
Das Gewerbe muss für die Bordellbesitzer(innen) sehr einträglich gewesen sein. Eine gewisse Mrs. Fang, Yai Fang genannt, galt als ungewöhnlich reich. Sie baute sogar einen Tempel, Wat Mai Yai Fang („der neue Tempel von Yai Fang"). Es wird berichtet, Mrs. Fang habe einmal den Abt eines Tempels in Thonburi aufgesucht, ihm von dem im Bau befindlichen Tempel berichtet und dann gefragt, wie viel an Verdienst für dieses oder das näcshte Leben sie dadurch erhalten werde (Wenn Buddhisten etwas spenden, dann nicht oder nicht nur, um jemandem etwas Gutes zu tun, sondern hauptsächlich, um für sich selbst Verdienste zusammeln). Der Abt antwortete: „Ihr Verdienst wird einem Föang entsprechen“. Also nur dem Bruchteil eines Bahts. Aber genau der Preis, den der Kunde ihrer Prostituierten für „Shorttime“ (1mal schlafen) bezahlen musste. Klar, dass Mrs. Fang schockiert war…

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#2 Re: Prostituierte im Thai

Beitragvon plaaloma » So 21. Aug 2011, 02:24

Ich finde das toll!!!
Das die Prostitution erst mit den Chinesen "aufbluehte" scheint logisch, ..... vorher hatte keiner Geld :joint:

Bin mir sicher, thailaendische Frauen mussten einen chinesischen Namen annehmen um im Gewerbe arbeiten zu koennen. Glaube aber, die erste Generation waren nur Thai-Frauen!??

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#3 Re: Prostituierte im Thai

Beitragvon Tramaico » So 21. Aug 2011, 03:49

Aslan hat geschrieben:Der “Fachausdruck” für eine Prostituierte lautet โสเภณี (ssoophenie). Das kommt aus dem Pali und heißt eigentlich „schönes Mädchen“.
Ein anderer Ausdruck (Slang) ist กะหรี่ (garii). Dieses Wort hat grundsätzlich zwei Bedeutungen, nämlich einemal Curry und dann eben „Prostituierte“. Ob die beiden Worte zusammenhängen, kann ich nicht entscheiden.
Eine etwas andere Bedeutung hat „ดอกทอง“ (doogthoong, beides mit offenem, langen o). Hiermit ist eine Frau gemeint, die wahllos mit Männern schläft, aber nicht oder nicht hauptsächlich für Geld, sondern weil es ihr Spaß macht. Eine Frau als อี่ดอกทอง (I-doogthong) oder verkürzt als อี่ดอก (I-doog) zu bezeichnen, ist eine schwere Beleidigung.


Beide Worte werden aber nach meinen Erfahrungen von Thais kaum verwendet. Zu direkt. Phu ying tam ngan bar (in der Bar arbeitenden Frau) oder aber auch khai tua (Koerper verkaufen) dezent oder krasser khai hoy sind im Alltag viel gebraeuchlicher.

I-dog wird nicht nur auf eine Prostituierte bezogen, sondern ist schlichtweg im Sinn von "Schlampe" zu verstehen und zwar mit dem gleichen harten Verstaendnis wie in der deutschen Sprache.

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#4 Re: Prostituierte im Thai

Beitragvon plaaloma » So 21. Aug 2011, 04:22

Tramaico hat geschrieben: ...ist schlichtweg im Sinn von "Schlampe" zu verstehen und zwar mit dem gleichen harten Verstaendnis wie in der deutschen Sprache.

Hast du Probleme mit dem "Wahnsinn" der griechischen Naturgottheiten??[ img ]

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#5 Re: Prostituierte im Thai

Beitragvon Tramaico » So 21. Aug 2011, 05:18

Diese blutleere Barbie sollte mal in die Sauna gehen und 'ne Bemme mehr essen. Warum ist sie in Cellophan verpackt? Damit sie nicht nass wird? :shock:

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#6 Re: Prostituierte im Thai

Beitragvon Aslan » So 21. Aug 2011, 07:02

@Tramaico:
Ja, stimmt natürlich, in der informellen Umgangssprache werden ganz andere Worte verwendet. Wobei es, glaube ich, nicht so sehr darauf ankommt, wer etwas sagt, sondern mit wem jemand spricht. Die von Tramaico genannten Ausdrücke sind natürlich „blumiger“ und umschreiben die Tätigkeit der Frau. „khai dtua“ kann man auch in der Zeitung finden, „khai hoy“ wohl nicht, da „hoy“ und „hii“ Wörter sind, die man nur verwendet, wenn der Gesprächspartner dem Sprechenden gut bekannt ist .“Phu ying tam ngan bar“ = Bargirl ist natürlich nur ein kleiner Teil der Prostituierten, ein „Bargirl“ ist zwar immer Prostituierte, aber nicht genau Synonym zu „Prostituierte“. Die Prostituierten in den Bordellen z.B. werden durch dieses Wort nicht erfasst.
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#7 Re: Prostituierte im Thai

Beitragvon plaaloma » So 21. Aug 2011, 07:32

Der Traimaico ist ja auch unser "Hoch-Thai".

Phuying thanon oder thiiseetchi (keine Ahnung wie man das schreibt) koennte ich noch beisteuern.

Wobei, den Damen in Maenner-Haar-Style-Gewerbe scheint auch etwas "anzuhaften", .....

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#8 Re: Prostituierte im Thai

Beitragvon plaaloma » So 21. Aug 2011, 09:24

Mit dem Hoy gibt es auch diese "Wortspiele", auf die Frage, "gibt es hier Leuchtkaefer(Hing Hoy)?"
Kam die Antwort von zwei alten Frauen: Hier gibt Muscheln von alten Weibern und die stinken mehr als dass sie leuchten.

@Aslan
wenn du das Uebersetzen kannst, stelle ich dich auf eine Stufe mit dem Tramaico!





@Phommel
Ruhe da unten!

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#9 Re: Prostituierte im Thai

Beitragvon Aslan » So 21. Aug 2011, 11:25

"Auf eine Stufe mit dem Tramaico"? Unmöglich, dann bräuchte ich mehr Hirn, etwa so wie dieser Fisch hier! Da hat bei mir schon ein gewisser Schrumpfungsprozess eingesetzt, อัลไซเมอร์ ist nahe! - Spaß beiseite: da ich selbst nie länger als 4 Wochen hintereinander (meist jeweils nur ein paar Tage) in Th war, ist es selbstverständlich, dass meine Kenntnisse des Thai eher theoretischer Natur sind, sie stammen mehr aus dem Schriftlichen, das kann man nicht vergleichen mit jemandem, der die Sprache täglich spricht. Dieser Beschränkung bin ich mir bewusst, und ich bin hier im Forum für jede Erwiderung, die meine Kenntnisse erweitert, dankbar. Außerdem ist mein Interesse am Thai eher etymologischer Natur, d.h. ich interessiere mich dafür, woher die Wörter/Ausdrücke stammen und welche Entwicklung sie durchgemacht haben.

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#10 Re: Prostituierte im Thai

Beitragvon Tramaico » Mo 22. Aug 2011, 04:25

Aslan hat geschrieben:Unmöglich, dann bräuchte ich mehr Hirn, etwa so wie dieser Fisch hier!


Zuviel Hirn macht Kopfschmerzen und diese sind dann bestenfalls nur mit Emotionslosigkeit zu kompensieren. Keine Rose ohne Stacheln.

In Bezug auf Spracherlernung ist es aber vermutlich immer so. Das was durch Lehrbuecher oder in Schulen gelehrt wird, hat oftmals dann nicht viel mit den tatsaechlichen Gegebenheiten zu tun. Anfangs waren Familienmitglieder oftmals verwirrt, wenn ich etwas auf "Hoch-Thai" von mir gab. Warum spricht er so geschwollen, will er sich von uns distanzieren?

Als ich 1989 fuer zwei Jahre zum Arbeiten in die USA ging meinte ich auch, dass ich Englisch koennte. Hatte es ja gut 10 Jahre im taeglichen Job praktiziert. Fehlanzeige. Verfuegte nur ueber eine rudimentaere Basis und wurde praktisch erst dort wirklich kommunikationsfaehig.

Als ich nach Deutschland zurueck kam, da war dann auch ein Mitarbeiter in der Firma. Hatte Englisch studiert, aber keine Anstellung als Lehrer gefunden. Somit endete er dann in einer Marketingabteilung. Er fragte MICH :shock: ab und zu um Rat bezueglich der englischen Sprache und ich hatte in der Firma einen Ruf als "Englischexperte". Paradox, wo in der 7. Klasse gar meine Versetzung wegen einer 5 in Englisch im Halbjahreszeugnis gefaehrdet war.

Hatte als Schueler einfach keinen Draht zur Spracherlernung. Konnte den Nutzen nicht erkennen, bis sich eben die Notwendigkeit im Job und durch den Aufenthalt im Ausland ergab. Nun kniete ich mich umso mehr hinein um Versaeumtes nachzuholen und vieles frueher Unverstaendliche wurde auf einmal klar. Aufwand und Nutzen muss wohl erst einmal in einem vernuenftigen erkennbaren Verhaeltnis stehen anstatt auf reiner Hypothese zu basieren. Dann ist die dringend benoetigte Motivation meiner Erfahrung nach da. Im Grunde bin ich ein fauler Sack. Warum die Glocke aufsagen koennen, wenn mir aus einem perfektem Aufsagen kein praktischer Nutzen entsteht. Verdammter Opportunismus. "Verdammtes" Land, was hast Du aus mir gemacht? Einen Barbaren. Kein Wunder, dass ich mich hier heimisch fuehle, denn im Grunde war ich immer einer. :joint:


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